Prof. Dr. Peter Gentsch

Wir alle kennen Horrorszenarien aus Hollywoodstreifen wie „Matrix“ oder „I, Robot“, in denen Computer die Welt versklaven oder auch retten. Doch wie realistisch sind solche Szenarien? Fakt ist: Ein Film über einen Supercomputer, der uns in unserem alltäglichen und professionellen Leben unterstützt, bietet weitaus nicht genug Drama und Action für eine gute Hollywood-Story. Wir sollten uns nicht von Fiktion beeindrucken lassen, die mit einer Angst spielt, die schon genauso lange existiert wie die Faszination an einer von uns kreierten Intelligenz. Und doch beschäftigt viele die Frage: „Was ist, wenn wir uns ersetzbar machen?“ Wir Menschen agieren in einer unkontrollierbaren Umgebung. Durch ständige Interaktion mit unserer Umwelt lernen wir: jeden Tag, immer mehr, meist ohne es zu merken.Dazu müssen wir zuallererst die Umwelt wahrnehmen können. Schritt für Schritt lernen wir die Bedeutung dieser Wahrnehmung kennen. Beispielsweise hören wir bereits im Mutterleib die Stimme unserer Mutter, doch die Bedeutung dieser Person wird uns erst schrittweise klar. Zunächst klassifizieren wir Menschen also ein Objekt. Spielend testen wir unser Umfeld aus. Indem wir Spielzeug fallen lassen, lernen wir die Schwerkraft kennen. Wir lernen, dass das heiße Essen sich mit der Zeit von alleine wieder abkühlt. So haben wir schon bereits mit zwei Jahren eine gute Intuition von physikalischen Zusammenhängen in unserer Welt und deren Wechselwirkung mit uns. Auch klassifizieren wir immer mehr Objekte und ordnen diesen verschiedene Eigenschaften zu. So baut sich unser gesunder Menschenverstand auf und wir können in gewisser Weise Situationen vorhersagen. Diese Fähigkeit macht einen großen Teil unserer Intelligenz aus. Mit weiterer Entwicklung können wir diese Klassifikation der Objekte abstrahieren. Das macht es uns möglich, verschiedene Objekte oder auch Situationen, die objektiv nichts miteinander zu tun haben, zu vergleichen. Wir können dadurch Strategien, die wir bereits als erfolgreich in einer Situation erlernt haben, auf eine andere Situation übertragen. Unser Transfervermögen ist eine weitere wichtige Säule unserer Intelligenz.

Wie soll sich nun unsere Intelligenz bei Maschinen manifestieren?

Es gibt bereits Software, die Menschen in einigen Bereichen weit überlegen ist. Vor knapp 25 Jahren hat DEEPBLUE von IBM zum ersten Mal den amtierenden Schachweltmeister geschlagen. 20 Jahre später – 2016 – siegte AlphaGO in der viel komplexeren japanischen Variante Go. Und das sind nur die bekanntesten Beispiele. Beiden Systemen wurden die Regeln der Spiele implementiert und jahrelang trainiert. Die Algorithmen die beide Systeme nutzen analysieren die Spielsituation und entscheiden sich für den Strategieast mit der höchsten Erfolgswahrscheinlichkeit. Diesen Strategiebaum bauen Maschinen nach und nach während des Trainings auf. Ähnlich wie ein Mensch würde man meinen, nur eben eine Maschine. Doch der große Unterschied ist, dass dieselben Systeme bei „Mensch ärgere dich nicht“ absolut versagen würden. Selbst der erste Spielzug wäre unmöglich, da die Spielregeln erst durch Programmierer implementiert werden müssten. Und selbst wenn man beiden Systemen die Spielregeln beibringen würde, könnten sie die Strategien nicht auf das neue Spiel transferieren. Auch ist es ihnen nicht möglich zwischen einer kurzfristigen Taktik und langfristigen Strategie zu unterscheiden. Für Spiele wie Schach oder Go ist das nicht weiter von Bedeutung. Umso mehr jedoch wenn wir die Systeme in die raue Welt entlassen wollen. So sind Expertensysteme heutzutage in sehr schmalen Bereichen den Menschen bereits überlegen, aber eine generelle Intelligenz mit Abstraktionsprozessen und Transfermöglichkeiten von bereits Erlerntem, wie es also ein „Human Level AI System“ fordern würde, ist noch nicht einmal ansatzweise erreicht. Teil 2: „Emanzipation der Systeme – über Supervised Learning hin zu Unsupervised Learning“ am 18. August auf unserem Newsblog – Stay tuned!